Lernmodul Waidmannssprache
Waidmannssprache: Glossar der jagdlichen Fachbegriffe
Waidmannssprache ist die traditionelle Fachsprache der Jagd, nach Duden-Schreibweise auch Weidmannssprache genannt. Wer die Jägersprache beherrscht, erkennt am Anschuss die Pirschzeichen und redet im Revier nicht aneinander vorbei. Dieses Glossar sammelt die jagdlichen Fachbegriffe aus dem WAIDPASS-Lernmodul Waidmannssprache, gruppiert nach Themen, mit Begriff und kurzer Erklärung.
In WAIDPASS ist die Waidmannssprache ein eigenes Lernmodul, kein Prüfungsfach: Sie fließt nicht in die Prüfungssimulation oder die Prüfungsreife ein, trainierst du aber im selben Wiederholungsrhythmus wie jedes andere Fachgebiet. Das hilft dir in der Jagdschule und im Revier, besonders wenn im mündlichen Teil der Prüfung nach genau diesen Begriffen gefragt wird.
97 Fachbegriffe in 9 Themengruppen, fachlich abgenommen und direkt aus dem WAIDPASS-Fragenkatalog abgeleitet. Kostenlos starten und die Begriffe im selben Lernrhythmus trainieren wie deine Prüfungsfächer.
Wildarten, Geschlechter und Sozialverbände
Diese Begriffe ordnen Wild nach Geschlecht und Alter. Dazu kommen die Namen der Gruppenverbände, in denen die einzelnen Arten leben.
- Ricke
- Beim Rehwild heißt das weibliche Stück Ricke, in Süddeutschland und Österreich auch Geiß. Beim Rotwild sagt man Tier, beim Schwarzwild Bache, beim Fuchs Fähe. Die Ricke setzt im Mai oder Juni ein bis drei Kitze.
- Geiß
- Geiß ist beim Reh-, Gams- und Steinwild gebräuchlich. Beim Rehwild steht sie gleichberechtigt neben Ricke, im Süden ist Geiß üblicher, im Norden Ricke. Beim Rotwild sagt man Tier, beim Schwarzwild Bache.
- Bache und Keiler
- Das weibliche Schwarzwild heißt Bache, das männliche Keiler. Die Bache führt die Rotte und bringt im Frühjahr vier bis acht Frischlinge.
- Frischling und Überläufer
- Schwarzwild wird nach Alter unterschiedlich benannt. Bis zu einem Alter von etwa zwölf Monaten heißt es Frischling, unabhängig vom Geschlecht. Danach folgt im zweiten Lebensjahr der Überläufer, das weibliche Stück in dieser Zeit auch Überläuferbache. Ab dem zweiten Lebensjahr heißt das weibliche Stück endgültig Bache, das männliche Keiler. Der Name Frischling kommt vom Frischen, dem Gebären der Bache.
- Kitz, Kalb, Frischling und Lamm
- Die Jungtiere heißen je nach Wildart unterschiedlich. Rehwild setzt Kitze, Rotwild und Damwild setzen Kälber, Schwarzwild frischt Frischlinge, Muffelwild setzt Lämmer. Diese Zuordnung wird regelmäßig geprüft.
- Rudel, Rotte, Kette und Sprung
- Jede Wildart hat einen eigenen Namen für ihren Gruppenverband. Rotwild lebt in Rudeln, geführt von einem erfahrenen Alttier. Schwarzwild bildet Rotten, angeführt von einer erfahrenen Bache. Rebhühner leben in Ketten, Rehwild in Sprüngen. Der Fuchs dagegen lebt weitgehend einzelgängerisch.
- Leittier
- Rotwildrudel werden von einem erfahrenen Alttier geleitet, nicht vom Hirsch. Das Leittier kennt Wechsel, Einstände und Gefahren. Sein Abschuss kann ein Rudel dauerhaft stören, weshalb es besonderen Schutz genießt.
- Alttier
- Beim Rotwild heißt das weibliche Stück Tier. Hat es bereits ein Kalb gesetzt, ist es ein Alttier, davor ein Schmaltier. Das führende Alttier leitet das Rudel, weshalb es besonders geschützt wird.
- Schmalreh
- Das Schmalreh, auch Schmalgeiß, ist ein einjähriges weibliches Stück vor dem ersten Setzen. Beim Rotwild heißt das entsprechende Stück Schmaltier. Schmal bezieht sich auf die noch nicht entwickelte Form, nicht auf schwache Konstitution.
- Schmaltier
- Beim Rotwild ist das Schmaltier das einjährige weibliche Stück vor dem ersten Setzen, danach heißt es Alttier. Beim Rehwild entspricht dem das Schmalreh.
- Hochwild
- Zum Hochwild zählen unter anderem Rot-, Dam-, Muffel- und Schwarzwild sowie Auer- und Steinwild. Rehwild, Hase und Fuchs gehören zum Niederwild. Die Unterscheidung stammt aus dem Feudalrecht, als die Hochjagd dem Adel vorbehalten war, und hat heute kaum noch praktische Folgen.
- Haarwild und Federwild
- Die Einteilung folgt der Körperbedeckung. Zum Haarwild zählen Schalenwild, Hasen und Raubwild, zum Federwild Enten, Gänse, Fasan, Rebhuhn und Waldschnepfe.
- Raubwild
- Raubwild sind jagdbare Beutegreifer, vor allem Fuchs, Dachs, Marder und Iltis. Greifvögel heißen Raubzeug oder Beizvögel und sind heute ganzjährig geschont. Der Begriff meint die Ernährungsweise, kein Werturteil.
Körperteile
Viele Körperteile des Wildes tragen einen eigenen jagdlichen Namen, der sich vom umgangssprachlichen deutlich unterscheidet.
- Gehörn
- Das Gehörn trägt der Rehbock. Hirschartige wie Rot- und Damwild tragen dagegen ein Geweih. Die Begriffe sind nicht austauschbar, die Verwechslung gehört zu den häufigsten Fehlern.
- Geweih
- Das Geweih ist echte Knochensubstanz und wird jedes Jahr abgeworfen und neu gebildet. Es dient in der Brunft als Kampf- und Imponierwaffe. Davon zu unterscheiden sind Hörner, die aus Hornsubstanz bestehen und lebenslang weiterwachsen.
- Bast
- Während des Wachstums ist das Geweih von der stark durchbluteten Basthaut überzogen. Ist es fertig, stirbt der Bast ab und wird abgefegt. Ein Bock im Bast heißt Bastbock, sein Geweih Bastgehörn.
- Spießer
- Der Spießer trägt zwei einfache, unverzweigte Stangen, typisch für den jungen Hirsch im zweiten Lebensjahr. Beim Damwild heißt das entsprechende Stück Damspießer.
- Achtender
- Enden sind die Spitzen des Geweihs. Tragen beide Stangen gleich viele Enden, etwa vier und vier, spricht man von einem geraden Achtender. Weichen die Stangen um ein Ende voneinander ab, wird trotzdem nach der stärkeren Stange benannt und diese verdoppelt: Ein Hirsch mit vier Enden auf der einen und drei auf der anderen Stange heißt ungerader Achtender, obwohl er nur sieben Enden trägt.
- Krucken
- Gamswild trägt Krucken, hakenförmig gebogene Hörner, die beide Geschlechter tragen und die lebenslang wachsen. Muffelwild trägt Schnecken. Anders als Geweihe werden Hörner nicht abgeworfen.
- Träger
- Der Träger ist der Hals. Der Rücken heißt Ziemer, die Keule Schlögel, der Schulterbereich Blatt und der Brustkorb Kammer.
- Löffel
- Hase und Kaninchen haben Löffel. Beim Schalenwild heißen die Ohren Lauscher, beim Schwarzwild Teller.
- Decke, Schwarte und Balg
- Die Haut des Wildes trägt je nach Art einen eigenen Namen. Schalenwild trägt eine Decke, Schwarzwild eine Schwarte, Haarraubwild und Hase einen Balg. Das Abziehen heißt entsprechend aus der Decke schlagen, abschwarten oder abbalgen. Das Wort Fell ist in der Jägersprache umgangssprachlich.
- Lauf
- Lauf meint zum einen das Bein des Haarwildes, zum anderen den Rohrteil einer Feuerwaffe. Ein Drilling hat entsprechend drei Läufe. Der regelmäßig genutzte Weg des Wildes heißt dagegen Wechsel.
- Lichter
- Lichter sind die Augen des Schalenwildes, sehen heißt äugen. Beim Fuchs heißen die Augen Seher. Die Ohren sind Lauscher, die Nase ist der Windfang.
- Ständer
- Federwild hat Ständer, Haarwild hat Läufe. Die Ansitzeinrichtung heißt Kanzel oder Ansitzleiter, nicht Ständer.
- Stoß
- Der Stoß sind die Schwanzfedern, etwa beim Fasan oder Auerhahn. Der Fuchs hat eine Lunte, das Rehwild einen Wedel, der Hund eine Rute.
- Fang
- Der Fang ist das Maul des Raubwildes und des Hundes. Die Eckzähne heißen Fänge, die Pfote heißt Branten. Beim Schalenwild heißt das Maul dagegen Äser.
- Grandeln
- Grandeln sind stark zurückgebildete Eckzähne im Oberkiefer von Rot- und Damwild. Sie gelten als Trophäe und werden zu Schmuck verarbeitet. Die Eckzähne des Keilers heißen Gewaff.
- Gewaff
- Die Bache hat Haken, der Keiler ein Gewaff aus Gewehren im Unterkiefer und Haderern im Oberkiefer. Grandeln sitzen bei Rot- und Damwild, Fänge beim Raubwild.
- Kammer
- Die Kammer ist der Brustkorb mit Herz und Lunge, das Ziel des sauberen Blattschusses. Ein Treffer dorthin führt schnell zum Verenden.
- Spiegel
- Der Spiegel ist der helle Fleck am Hinterteil, beim Reh im Winter deutlich sichtbar und zum Ansprechen nützlich. Bei Enten heißt Spiegel dagegen das farbige Flügelfeld, der Begriff hängt also an der Wildart.
Verhalten, Laute und Fortpflanzung
Diese Begriffe beschreiben das Verhalten des Wildes und seine Fortpflanzung, von der Blattzeit bis zur täglichen Äsung.
- Blattzeit
- Blattzeit ist der jagdliche Ausdruck für die Brunft des Rehwildes im Hochsommer. Der Name kommt vom Blatten, dem Nachahmen des Fiepens der Ricke. Die Nachbrunft im November und Dezember betrifft nur Stücke, die im Sommer nicht beschlagen wurden.
- Setzen und Setzzeit
- Setzen heißt gebären, und zwar beim Schalenwild außer dem Schwarzwild: Die Ricke setzt Kitze, das Tier ein Kalb, Muffelwild ein Lamm. Beim Schwarzwild heißt derselbe Vorgang frischen. Der Zeitraum heißt Setzzeit und liegt meist im Mai und Juni.
- Frischen
- Die Bache frischt, das Rehwild setzt, das Rotwild setzt ebenfalls. Vom Frischen kommt der Frischling. Das Auskühlen des Wildbrets nach dem Erlegen heißt dagegen versorgen.
- Beschlagen
- In der Brunft wird das weibliche Stück getrieben und dann beschlagen. Beim Schwarzwild sagt man rauschen, beim Raubwild ranzen.
- Ranz
- Die Paarungszeit heißt je nach Wildart anders: Ranz beim Raubwild, Brunft beim Schalenwild, beim Rehwild auch Blattzeit, Rauschzeit beim Schwarzwild und Rammelzeit beim Hasen. Diese Zuordnung wird häufig verwechselt und gern geprüft.
- Äsung, äsen und Äser
- Äsung ist die pflanzliche Nahrung des Wildes, äsen das Aufnehmen dieser Nahrung. Das Maul des pflanzenfressenden Wildes heißt Äser. Beim Schwarzwild spricht man dagegen vom Brechen, weil es den Boden durchwühlt.
- Sichern
- Sichernd verhofft das Wild, äugt, vernimmt und windet. Wer sich jetzt bewegt, wird entdeckt. Nicht zu verwechseln mit dem Sichern der Waffe, wo derselbe Ausdruck etwas anderes meint.
- Witterung
- Witterung ist der Geruch. Wild nimmt Witterung auf, es windet. Deshalb wird immer gegen den Wind gepirscht. Das Wetter heißt in der Jägersprache schlicht Wetter.
- Lösen
- Lösen heißt Kot absetzen, das Ergebnis ist die Losung. Das Harnen heißt nässen. Beim Schuss spricht man dagegen davon, dass der Schuss bricht oder abgegeben wird.
- Mauser
- Die Mauser ist der Gefiederwechsel beim Federwild. Beim Haarwild heißt der entsprechende Vorgang Haarwechsel, beim Geweih spricht man vom Abwerfen.
- Ziehen
- Wild zieht, wenn es sich ruhig und ohne Beunruhigung bewegt, etwa auf dem Wechsel zur Äsung. Wird es beunruhigt, flüchtet es. Federwild zieht ebenfalls, hier meint der Begriff auch den saisonalen Zug.
- Neue
- In der Neuen zeichnen sich Fährten und Spuren klar ab, sie ist deshalb für die Wildbeobachtung besonders wertvoll. Nach längerer Zeit spricht man von alter Fährte.
- Nadeln
- Auerhuhn und Birkhuhn ernähren sich im Winter überwiegend von Nadeln, sie nadeln. Das Fressen im Laubbaum heißt prossen.
- Schnepfenstrich
- In der Dämmerung streicht der Schnepfenhahn über den Bestand und gibt dabei Quorren und Puitzen von sich. Diesen Balzflug nennt man Strich.
- Brechen
- Schwarzwild bricht, es durchwühlt den Boden nach Wurzeln, Engerlingen und Mast. Die aufgewühlte Fläche heißt Gebräch und ist ein deutliches Pirschzeichen, zugleich eine häufige Ursache von Wildschaden auf Wiesen.
- Fegen
- Ist das Geweih ausgewachsen, stirbt die Basthaut ab und wird an Bäumen und Sträuchern abgefegt. Dabei entstehen Fegestellen, ein wichtiges Pirschzeichen. Das Abwerfen des Geweihs ist ein anderer Vorgang.
Jagdarten und Ausrüstung
Diese Begriffe erklären Jagdarten und die Ausrüstung dazu, von der Pirsch bis zum Zielfernrohr.
- Pirsch
- Bei der Pirsch geht der Jäger dem Wild entgegen, langsam, gegen den Wind und unter Nutzung der Deckung. Sie gilt als anspruchsvollste Einzeljagdart. Das Warten auf der Kanzel ist dagegen der Ansitz.
- Kanzel
- Die Kanzel ist ein geschlossener Hochsitz. Sie verbessert die Sicht, den Kugelfang und den Schutz vor Witterung, und der Jäger bleibt dem Wind entzogen. Die offene Variante ist die Ansitzleiter.
- Absehen
- Das Absehen ist die Zielmarke im Zielfernrohr, etwa als Fadenkreuz, Absehen 4 oder Leuchtpunkt. Der nötige Abstand zwischen Auge und Okular heißt Augenabstand.
- Kugelfang
- Der Kugelfang ist gewachsener Boden oder ein Hang hinter dem Ziel, der das Geschoss sicher aufnimmt. Ohne ihn darf nicht geschossen werden. Deshalb wird bergab oder vom erhöhten Sitz geschossen, nie flach über offenes Gelände.
- Lockjagd
- Bei der Lockjagd ahmt der Jäger Laute nach, etwa das Fiepen der Ricke beim Blatten oder den Mauspfiff bei der Fuchsjagd. Das Anlocken mit Futter ist dagegen die Kirrung.
- Brackierjagd
- Bracken jagen mit Spurlaut. Der Hase flüchtet im weiten Bogen und kehrt zu seinem Ausgangspunkt zurück, wo der Schütze wartet. Der Laut zeigt dem Jäger dabei jederzeit, wo die Jagd gerade verläuft.
- Treiber
- Treiber sind Teilnehmer einer Bewegungsjagd, die nicht schießen. Sie bewegen das Wild, meist gemeinsam mit Hunden. Wer den Gästen die Stände zuweist, ist der Ansteller.
- Kirrung
- Die Kirrung lockt Schwarzwild mit geringen Mengen an eine bejagbare Stelle. Sie ist keine Fütterung, sondern ein Bejagungsmittel, und in der Menge streng begrenzt. Zur Ablenkung dient die Ablenkfütterung, zur Mineralversorgung die Salzlecke.
- Notzeit
- Notzeit herrscht, wenn hohe Schneelage oder anhaltender Frost die Äsung unerreichbar macht. Dann greift die Hegepflicht und es darf gefüttert werden. Außerhalb der Notzeit ist Fütterung vielerorts eingeschränkt oder verboten.
- Abschussplan
- Der Abschussplan wird behördlich festgesetzt und ist zu erfüllen. Er dient der Regulierung des Wildbestandes unter Berücksichtigung von Waldverjüngung und Wildschaden. Für Schwarzwild gilt er in der Regel nicht.
- Jagdjahr
- Das Jagdjahr läuft vom 1. April bis zum 31. März. Nach ihm richten sich Abschussplan, Jagdpacht und Streckenmeldung. Es ist bewusst gegen das Kalenderjahr versetzt, damit ein Fortpflanzungszyklus vollständig hineinfällt.
- Fangschuss
- Der Fangschuss beendet das Leiden eines kranken Stückes unverzüglich. Er ist eine Tierschutzpflicht und wird aus kurzer Entfernung angetragen.
- Blattschuss
- Das Blatt ist der Schulterbereich, dahinter liegt die Kammer mit Herz und Lunge. Der Blattschuss gilt als sauberster Schuss, weil er schnell zum Verenden führt und wenig Wildbret entwertet.
- Krellschuss
- Beim Krellschuss streift das Geschoss die Dornfortsätze. Das Stück bricht schlagartig zusammen, kann sich aber nach kurzer Zeit wieder erheben und flüchten. Deshalb gilt: nach dem Schuss sofort nachladen und das Stück im Auge behalten.
- Abkommen
- Der Jäger merkt sich sein Abkommen, um die Trefferlage zu beurteilen. Gutes Abkommen heißt, der Schuss ging dorthin, wo er hin sollte. Die Angabe ist für die Nachsuche wichtig.
Jagdhunde
Der Jagdhund hat für jede seiner Aufgaben einen eigenen Fachbegriff, von der Anzeige bis zur Nachsuche.
- Vorstehhund
- Der Vorstehhund verharrt regungslos, wenn er Wild gefunden hat, und zeigt es damit an. Für die Nachsuche ist der Schweißhund zuständig, für das Heraustreiben aus der Dickung der Stöberhund.
- Schweißhund
- Der Schweißhund arbeitet die Schweißfährte aus und findet das kranke Stück. Spezialisierte Rassen sind der Bayerische Gebirgsschweißhund und der Hannoversche Schweißhund. Die Nachsuche ist eine Tierschutzpflicht.
- Melder
- Der Melder kehrt nach dem Fund zum Führer zurück und führt ihn zum Stück. Das ist eine anspruchsvolle Leistung der Totsuche, neben Totverbellen und Totverweisen.
- Laut
- Der Laut ist das Bellen des Hundes bei der Arbeit. Er wird unterschieden nach Spurlaut, Sichtlaut und Standlaut und ist ein wichtiges Zuchtmerkmal.
- Spurlaut
- Spurlaut heißt, dass der Hund auf der Spur Laut gibt. Wer das gestellte Wild verbellt, ist standlaut. Wer schweigend arbeitet, ist spurlos oder arbeitet stumm.
- Teckel
- Der Teckel, auch Dackel oder Dachshund, ist ein kurzläufiger Erdhund für Baujagd und Stöberarbeit. Sein Name kommt vom Dachs.
- Stellen
- Beim Stellen hält der Hund das Stück auf und verbellt es, damit der Jäger herankommen und den Fangschuss antragen kann. Das ist besonders bei der Nachsuche auf wehrhaftes Wild gefährlich.
- Buschieren
- Beim Buschieren arbeitet der Hund in Schussnähe niedrige Deckung ab, etwa Hecken und Feldraine, und bringt Niederwild vor die Flinte. Anders als beim Stöbern bleibt er dabei in der Nähe des Jägers.
- Stöbern
- Stöbern heißt, dass der Hund weiträumig und selbstständig dichte Bereiche absucht und Wild herausdrückt. Typische Stöberhunde sind Wachtelhund und Teckel.
Nachsuche und Pirschzeichen
Nach dem Schuss zählt jedes Zeichen. Diese Begriffe beschreiben, wie der Jäger den Erfolg des Schusses beurteilt und was danach zwingend folgt.
- Schweiß
- Schweiß ist der jagdliche Ausdruck für Blut. Er ist zusammen mit Losung und Fährte eines der wichtigsten Zeichen beim Ansprechen und die Grundlage jeder Nachsuche.
- Losung
- Losung ist der jagdliche Ausdruck für Wildkot. Sie ist neben Fährte und Schweiß ein wichtiges Zeichen, um Wildart und Gesundheitszustand anzusprechen.
- Fährte
- Die Fährte ist der Abdruck des Schalenwildes. Bei Hasen und Raubwild spricht man von der Spur, bei Federwild vom Geläuf. Die Blutspur nach dem Schuss heißt Schweißfährte.
- Nachsuche
- Nach jedem Schuss auf Schalenwild ist die Nachsuche Pflicht, auch wenn das Stück scheinbar gefehlt wurde. Sie dient dem Tierschutz und ist eine der wichtigsten waidmännischen Pflichten.
- Anschuss
- Der Anschuss ist der Ort des Treffers. Dort werden die Pirschzeichen gesucht, also Schweiß, Schnitthaar und Knochensplitter, aus denen sich die Trefferlage beurteilen und die Nachsuche planen lässt. Der Anschuss wird verbrochen, also mit einem Bruch markiert.
- Schnitthaare
- Schnitthaare liegen am Anschuss und sind ein Pirschzeichen. Aus ihrer Farbe, Länge und Beschaffenheit lässt sich ableiten, wo das Geschoss getroffen hat.
- Pirschzeichen
- Pirschzeichen ist der Oberbegriff für alle Spuren, aus denen der Jäger auf Wild schließt, und gliedert sich in zwei Gruppen. Allgemeine Pirschzeichen sind Lebenszeichen im Revier, unabhängig vom Schuss, etwa Fährte, Losung, Fegestellen und Suhlen. Pirschzeichen am Anschuss entstehen erst nach dem Schuss und dienen der Beurteilung der Trefferlage für die Nachsuche, etwa Schweiß, Schnitthaar und Knochensplitter.
- Fährtenschuh
- Mit dem Fährtenschuh, an dem Schalen befestigt sind, wird eine künstliche Fährte gelegt, um Schweißhunde auszubilden und zu prüfen.
- Wildfolge
- Wechselt krank geschossenes Wild in ein Nachbarrevier, greift die Wildfolge. Sie wird in einer Vereinbarung zwischen den Revierinhabern geregelt. Ohne Vereinbarung ist der Nachbarrevierinhaber unverzüglich zu benachrichtigen. Der Tierschutz steht hier über der Reviergrenze.
Reviereinrichtungen und Revierbetrieb
Diese Begriffe drehen sich um das Revier und seinen organisatorischen Ablauf, von der Fläche bis zur fertigen Strecke.
- Jagdbezirk
- Der Jagdbezirk ist die Fläche, auf der gejagt werden darf. Unterschieden werden Eigenjagdbezirke und gemeinschaftliche Jagdbezirke, deren Eigentümer sich in der Jagdgenossenschaft zusammenschließen.
- Deckung
- Deckung sind Hecken, Remisen, Totholz und dichter Bewuchs, in denen Wild Schutz findet. Die Haut des Schalenwildes heißt dagegen Decke, die beiden Begriffe werden leicht verwechselt.
- Sasse
- Der Hase drückt sich in eine flache Bodenmulde, die Sasse. Schwarzwild legt sich in den Kessel, Rehwild ins Bett, der Fuchs wohnt im Bau.
- Dickung
- Die Dickung ist ein junger Waldbestand, dessen Kronen sich schließen und der dadurch kaum durchdringbar wird. Sie ist bevorzugter Einstand und wird bei Bewegungsjagden mit Stöberhunden bearbeitet.
- Strecke
- Nach der Jagd wird das erlegte Wild in fester Ordnung zur Strecke gelegt, das Hochwild zuerst. Das Streckelegen ist ein Zeichen des Respekts vor dem Wild, kein Zurschaustellen.
- Erleger
- Der Erleger ist der Schütze, dem das Stück zusteht. Ihm wird der letzte Bissen gereicht und der Schützenbruch überreicht.
- Fallwild
- Fallwild ist Wild, das ohne Zutun des Jägers verendet, etwa durch Seuchen, Notzeit oder Verkehrsunfälle. Erlegtes Wild zählt nicht dazu.
Wildbret, Aufbruch und Verwertung
Nach dem Erlegen beginnt die Versorgung des Wildbrets. Diese Begriffe beschreiben die einzelnen Schritte vom Aufbrechen bis zur fertigen Teilstückzerlegung.
- Wildbret
- Wildbret ist der Fachausdruck für das Fleisch des Wildes. Der Begriff ist auch lebensmittelrechtlich von Bedeutung, etwa bei der Frage der Bleikontamination durch das Geschoss.
- Aufbrechen
- Aufbrechen ist das Öffnen des Wildkörpers und die Entnahme des Aufbruchs. Es muss zügig nach dem Erlegen geschehen, damit das Wildbret nicht verdirbt. Das anschließende Zerlegen heißt zerwirken.
- Aufbruch
- Der Aufbruch sind die entnommenen Eingeweide, unterteilt in Gescheide, also Magen und Darm, und Geräusch, also Herz, Lunge, Leber, Milz und Nieren. Der Vorgang selbst heißt aufbrechen.
- Pansen
- Der Pansen ist der große Vormagen der Wiederkäuer und Teil des Aufbruchs. Er wird beim Aufbrechen zusammen mit dem übrigen Gescheide entnommen.
- Schloss
- Das Schloss ist die knorpelige Verbindung im Becken. Sie wird beim Aufbrechen geöffnet, um Weiddarm und Geschlechtsteile lösen zu können. Der gleichlautende Begriff an der Waffe meint etwas völlig anderes.
- Zerwirken
- Zerwirken ist das Zerlegen in Teilstücke wie Keule, Rücken und Blatt. Es folgt auf das Aufbrechen und das Aus-der-Decke-Schlagen. Die drei Schritte werden gern verwechselt.
- Versorgen
- Versorgen meint alle Schritte nach dem Erlegen, vor allem das zügige Aufbrechen und das Auskühlen. Geschieht das zu spät, verhitzt das Wildbret und wird ungenießbar.
- Verhitzen
- Wird ein Stück nicht rasch aufgebrochen und ausgekühlt, staut sich die Wärme und das Wildbret verdirbt. Verhitztes Wildbret ist untauglich. Deshalb gehört zügiges Versorgen zu den wichtigsten Pflichten nach dem Erlegen.
- Schärfen
- Schärfen heißt in der Jägersprache schneiden mit dem Jagdmesser, etwa wenn beim Aufbrechen die Bauchdecke aufgeschärft oder der Schlund vom Pansen abgeschärft wird. Daneben bezeichnet dasselbe Wort einen ganz anderen, biologischen Vorgang: das ständige gegenseitige Nachschärfen des Gewaffs, also der Hauer und Haderer, beim Schwarzwild selbst. Das Wild schärft sich also gegenseitig, nicht der Jäger sein Messer.
Wildschaden und Recht
Wo Wild und Landwirtschaft aufeinandertreffen, gibt es feste Begriffe für Schäden und ihre Zuständigkeit.
- Wildschaden und Jagdschaden
- Wildschaden ist der Schaden an Feld und Wald durch das Wild selbst, etwa durch Verbiss, Schäle oder das Brechen des Schwarzwildes. Er ist ersatzpflichtig und einer der häufigsten Streitpunkte zwischen Jagd und Landwirtschaft. Jagdschaden entsteht dagegen durch die Jagdausübung selbst, etwa wenn Treiber eine Kultur niedertreten. Beide Schäden sind ersatzpflichtig, aber gegenüber unterschiedlichen Verantwortlichen.
Begriffe trainieren statt nur nachschlagen
Im WAIDPASS-Lernmodul Waidmannssprache übst du diese Fachbegriffe mit Spaced Repetition, im selben Rhythmus wie deine Prüfungsfächer.